Mit dem diesjährigen Anbrechen meines Wortmann-AG Adventskalenders (hell yeah, “IT’s my World”) wurde mir mal wieder bewusst, dass Weihnachten sich auf den Weg machte. An und für sich kein Problem, Ideen für Geschenke waren schnell gefunden und Schotter hatte ich dieses Jahr auch endlich mal genug. Aber begleitend zur Vorfreude des Beschenkens und Beschenktwerdens kam da auch das mulmige, unangenehme Gefühl hoch, Weihnachten zwar mit meiner Familie zu feiern, aber leider ohne meine Freundin.
Nun ist es zwar so, dass ich in meiner Familie komplett geoutet bin, aber irgendwie wird es nach wie vor totgeschwiegen. An gnädigen Tagen wird am Telefon mal ein ein pluralisierendes “t” ans “schlaf gut” gehängt, doch die Überwindung, die es zu kosten scheint, spürt man selbst durch den Hörer über 230km Distanz wie einen Schlag ins Gesicht. Ich lasse mir nichts anmerken, freue mich naiverweise sogar eher noch, weil ich dadurch die Hoffnung vermittelt bekomme, dass meine Freundin nun endlich an meiner Seite als solche akzeptiert wird und nicht nur als meine “Mitbewohnerin”. Schließlich sind wir seit gut anderthalb Jahren zusammen und teilen fast ebensolange Bett und Tisch miteinander. Bis dahin war es ein langer Kampf, der teils eher unterschwellig brodelte und an aller Nerven zerrte; hin und wieder hochkochte und durch meinen Auszug aus dem Dorf in die “Großstadt” irgendwie eine andere Dimension annahm: Schweigen.
Diese heimliche, latente Ignoranz, eine gefährliche Mischung aus Angst (wovor auch immer… Gespött der anderen Dorftrottel etwa, die selber genug Dreck am Stecken haben? Ich bin schließlich nicht der erste Homo in diesem Scheißnest, und ansteckend bin ich auch nicht…), unterdrückter Neugier und Wasweißichundeigentlichisetmirauchejal…
Es ist ungesprochenes Gesetz, ihren Namen nicht zu erwähnen. Jenes “Gesetz” breche ich aber nur zu gerne. Nicht etwa, um zu provozieren, sondern um die Existenz meiner Freundin nicht zu leugnen. Schließlich stehe ich zu und hinter ihr und das kann mir keiner nehmen. Was mir allerdings genommen wurde, ist das Recht/Privileg(?), die Person mit nach Hause zu nehmen, die ich liebe. Während meine Geschwister fröhlich ihre Partner(innen) mit anschleppen (die teilweise nicht einmal am Familienleben interessiert sind, sondern lieber faul im Bett liegen bleiben, obwohl für sie mitgekocht wurde), bleibt mir einmal im Monat nichts anders übrig, als meine Freundin weinend zurückzulassen.
Es bricht mir jedes Mal das Herz und an Weihnachten sogar noch ein bisschen (viel) mehr. Denn während ihre Eltern sogar davon ausgingen, dass ich Weihnachten mit ihnen verbringe, ist es seitens meiner Familie einfach selbstverständlich, dass ich alleine komme. Und während mein Bruder heute mehrfach gefragt wurde, ob und wann denn seine Freundin endlich kommen würde, war ich scheinbar von keinem Interesse. Oder niemand traute sich zu fragen, schließlich könnte das Pulverfass auf dem ich sitze ja mitsamt meiner Familie in die Luft gehen. Ja, meine Homosexualität reißt uns alle ins Verderben… Moment, ich bin mal eben im Keller, zum Lachen.
Einen winzigen Lichtblick gab es ja dann doch: Als meine Oma (väterlicherseits) mir ihr Geschenk gab, flüsterte sie mir zu, dass da auch was für meine Freundin dabei wäre. Der Familienteil, von dem ich es am Allerwenigsten erwartet hätte [eigentlich ist die Gute eher ne Dramaqueen und ne richtige Insiderin, wenns um den neuesten Klatsch und Tratsch aus unserem Kaff geht (Hier gibt es halt sonst nichts.)], geht am Coolsten damit um! Ich war ja neulich schon so überrascht, als sie nach einem Foto von meiner Freundin fragte und dann auch noch meinte, sie hätte schöne Haare (hat sie tatsächlich)… Aber das da war wirklich ne freudige Überraschung. Nur, noch nen Tacken schöner wärs gewesen, wenn sie es ihr persönlich hätte überreichen können.
So bleibt mir auch dieses Jahr, an unserem zweiten “gemeinsamen” Weihnachten, nichts anderes übrig, als über Handy und Internet Kontakt zu ihr zu haben, anstatt in diesen Tagen abends neben ihr einzuschlafen. Mir gehts nicht gut dabei.
Mush No.2