
Mush No.6: Und dann steht man da. In einer Schlange von Menschen. Von vornehmlich Frauen. Von Frauen, die mal so richtig einen drauf machen wollen und sich schick gemacht haben. “Komm, heute fahren wir mal in die Stadt!” - so oder irgendwie so ähnlich muss es heißen, wenn sich die homo-Frauen aus den umliegenden Kleinstädten und Vororten bereit machen, um ihre sexuelle Gesinnung nach außen zu tragen, alle davon wissen zu lassen und möglichst viel Lippenkontakt zu erhaschen - besonders gerne mit von zu Hause mitgebrachtem. Ein Picknick quasi. Ein Picknick in der Stadt.
Ja, es war mal wieder Elle-World. Eine Party, die eigentlich keine ist, viel mehr ein extra dafür bereitgestellter Raum, bis oben hin vollgefropft mit Menschen, die entweder ganz stilecht ihr Ticket aus dem Internet ausgedruckt haben oder sich eben doch leidvoll in die wirklich lange Schlange stellen, um sich ganz vorsichtig an die Safari zu gewöhnen.
Drinnen dann die nächste Ernüchterung: Es sind nicht nur wirklich alle (!) Lesben aus der Umgebung gekommen, sondern auch noch die aus halb Köln. Und zwar, um auf Brautschau zu gehen, ein weniger gutes DJ-Set zu erleben oder um einfach nur ungeniert und ohne Rücksicht auf Homophobie wild herum knutschen zu können.
Mush No.2: Und dann steht man da. Neben der Schlange von Menschen die kein Ticket haben, bemitleidet sie ein wenig, checkt sie schonmal ab und wartet auf Mush No.3, die zum Glück mithilfe von Stiefpapis Kreditkarte an die Tickets kam. Sekt für die Nutten, Champagner für uns. Alter, ich bin soo VIP! “Wir treffen uns um viertel nach am Eingang.” Ja, von wegen. Während die Zeit so dahinfließt und ich innerlich schon meinen Parkschein ablaufen sehe (8€ für 2 Stunden. ACHT!!!! Hallo?! Nochmal DANKE an Mush No.1, die mich zu diesem Parkplatz gelotst hat. Immerhin hat sie die ersten 2 Stunden bezahlt.).
Mush No.3 schafft es mit ihrer Gang endlich und pfeift sich noch schnell irgendeine explosive Mischung aus Kirschsaft und Schnaps rein. Mush No. 1, die noch ein Ticket vor Ort verhökert hatte, kommt an uns vorbei, begrüßt Mush No.3 nur kurz und verschwindet dann im lauten klammen Dunkel des Wartesaals. “Ey, das is ne Katastrophe!” Mush No.3 steigert sich leicht in die Tatsache rein, dass ihre Ex ihr zwar Hallo gesagt, sie aber nicht mit Küsschen, Umarmung und Small-Talk empfangen hat. Ich, meine Freundin, No.22 (alias “die B”) und Mush No.3’s Mitbringsel (No.7) runzeln die Stirn. “Ja, sei froh, dass die überhaupt noch mit dir spricht. Nach allem, was da zwischen euch abgegangen ist… Und jetzt komm runter, trink deinen Schnaps und schalt auf Party-Mode.”
Gesagt, getan. Mittlerweile stehen sogar schon die Grrrls mit Tickets an, aber binnen 5min sind wir drin. Ich blicke mich um und will gleich wieder gehen. Es ist die Elle-World. Die Party, auf die ich mich mal freuen konnte. Als noch nicht alle die G-Star-Uniform und den Bieber trugen und die Musik noch halbwegs erträglich war. Aber ich hab mal irgendwo gehört, dass negative Erinnerungen über die Jahre immer etwas nachlassen und positiver gesehen werden als sie waren…
