06.06. Elle World Köln
09.06. Backstage Diaries Köln
23.06. CSD Berlin*
08.07. CSD Köln
03.08.-05.08. Nature One
04.08. CSD Essen
10.08.-11.08. Rocco del Schlacko
23.08. We Arms (Köln)
25.08. CSD Dortmund
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Mush(s) online
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Allerdings wird mir diese Party wohl immer in schlechter Erinnerung bleiben. Das war dann wohl auch das letzte mal, dass ich fast nen Zehner für so eine show-off-Veranstaltung hingeblättert hab. Die Musik ist einfach nur ein Worst-Of David Guetta in Dauerschleife, die so laut aus den Boxen in meinen Körper wummert, dass ich sogar im Takt pinkle. Der Gedanke an eine Unterhaltung ist utopisch. Immer, wenn ich No.2b was sagen will, schreibe ich eine SMS und halte ihr mein Handy unter die Nase. “Is das ätzend hier. Ich hab Hunger, gehen wir was essen?” Ein vielsagender Blick ihrerseits und schon sind wir aus der Menge verschwunden, während die restlichen Mushs die Geräuschkulisse (als Musik kann und will ich es einfach nicht mehr bezeichnen) mit Alkohol ausblenden und sich scheinbar prächtig amüsieren.
Ab ins Restaurant zur goldenen Möwe. Wir lassen uns möglichst viiiiiel Zeit beim Essen, und beobachten dabei, dass es scheinbar noch mehr (heiß)hungrige Wölfe, Verzeihung, Lesben aus der Homogrotte in den hellen, freundlichen und wohltemperierten McD verschlagen hat. Ich bemerke das Pfeifen in meinen Ohren und dann erst, wie laut ich wohl reden/lästern muss. Upps! Ach nee, Moment. Die anderen haben das Pfeifen ja auch. Es geht ungeniert und in gleicher Lautstärke weiter. Dann kommt ein strammer Pimp mit zwei Schnallen um die Ecke. Ich muss mir das Lachen wirklich verkneifen, weil er mich irgendwie an Mush No.1 erinnert. Meine Freundin pflichtet dem bei. Natürlich muss sie darüber informiert werden:
Ey J.! Wir haben dich in männlich gefunden. Du trägst blonden
mittellangen Zopf, 3-Tage Bart, Lederschläppchen und hast zwei
Professionelle im Arm, die du gönnerhaft zum Mäcces ausführst.
Leider bekam ich keine Antwort-SMS, da No.1 ihr Handy mitsamt ihrer Jacke an der Garderobe gelassen hat. Später auf der Rückfahrt würde sie sich jedoch noch mit einem herzlichen “Fuck you” bedanken. Gern geschehen.
Mush No.2b und ich trödeln noch beim Essen. Auf keinen Fall wollen wir da wieder rein, aber wir wollen den anderen auch nicht die Party vermiesen, in dem wir sie zu früh aus dem Verkehr ziehen. In Zeitlupe gehts dann irgendwann doch zum Auto, um die gierige Parkuhr nochmal zu füttern. Mein Name ist Krösus und ich liebe es, mein Geld an die arme bedürftige Stadt Köln zu spenden. Seufz.
Naja, nachdem wir uns gegenseitig Mut zugesprochen haben, überwinden wir uns und springen nochmal ins Piranhabecken. Da treffen wir dann auch zum ersten Mal auf Mush No.6 und ihre bessere Hälfte. Sehr sympathisch, nur leider wars nach wie vor zu laut, um sich halbwegs verbal zu verständigen. Hände und Füße und Grimassen müssen erstmal ausreichen. Die beiden wirken ähnlich enttäuscht von der Party wie wir und machen recht schnell die Biege. Wie gern wären Mush No.2b und ich mitgegangen… Aber man will ja kein Spielverderber sein. Eine ultrastracke Mush No.3 kommt aus der Toilette mehr oder weniger auf uns zu (gewankt), mit der Ex von ihrer Neuen im Arm. Tja, der liebe Alkohol weiß wohl noch jeden Feind zum Freund zu machen. “Da war nix! Da war nix!” Offensichtlicher kann mans ja wohl nicht mehr machen, dass da doch was war. Absturrrrz³! Hier und da blitzt mal Mush No.1’s Haarspitze durch, während sie mit der kleinsten Dame des Abends die Sohlen zum Glühen bringt. Auch sie hat schon gut getankt. Auf dem langen Weg zu ihr durch den Dschungel aus Armen und Beinen und klitschigen fettigen Leibern dachte ich dann auch kurzzeitig, mich trifft der Schlag. Um mich herum nur Frauen: Femmes, Butches, Androgyne und alle erdenklichen Zwischenformen. Und mittendrin ein widerliches Schwein, dass die Anonymität in der Menge nutzt, um ihren abartigen Bierschiss dort abzuladen. So einen ekelerregenden Gestank kannte ich bisher nur vom dritten Tag bei Rock am Ring, wenn die Kerle sich nur von Bier und Grillfleisch ernährt haben, aber nie hätte ich eine solch verweste Todesluft aus dem zarten Inneren einer Frau erwartet. Ich hab bis zuletzt wirklich immer gedacht, da kommen Rosenblüten raus. Enttäuschung #2 an diesem Abend.
Das gab mir dann den Rest, mit Tränen vor unausprechlichem Ekel in den Augen und Würgereiz tippe ich eine SMS, dass ich mit meiner Herzdame im Auto warte und Mush No.1 und No.22 noch eine Stunde Feierei gewähre, bevor ich den Motor starte und mich mit quietschenden Reifen verabschiede. Ich muss raus aus dem Laden, an die frische Luft, weil ich echt kurz vorm Kotzen bin. Vom Auto aus beobachte ich dann mit No.2b, wie langsam Leben in den Kölner Bahnhof kommt. Die Zeit wird ja noch um eine Stunde vorgestellt, mittlerweile haben wir 5 Uhr. Der Parkschein ist längst abgelaufen, aber das juckt mich jetzt auch nicht mehr. Um halb meldet sich No.22, sie würde jetzt No.1 suchen und dann könnten wir endlich [ENDLICH!!!] die Heimreise antreten. Die Warterei zieht sich noch bis kurz vor 6, es wird schon wieder hell, eh die beiden Schnapsdrosseln endlich angeflogen kommen. Mush No.1 versinkt auf dem Rücksitz im Koma und No.22 erzählt mir noch den neuesten Klatsch und Tratsch aus ihrem Kuhdorf (“Und dann fragt der S. den M.: Darf ich die auch mal wegmachen?” Über den Ausdruck wegmachen werd ich wohl nie kommen). Ab nach Hause, der Abend war scheiße.
/Mush No.2

Mush No.6: Und dann steht man da. In einer Schlange von Menschen. Von vornehmlich Frauen. Von Frauen, die mal so richtig einen drauf machen wollen und sich schick gemacht haben. “Komm, heute fahren wir mal in die Stadt!” - so oder irgendwie so ähnlich muss es heißen, wenn sich die homo-Frauen aus den umliegenden Kleinstädten und Vororten bereit machen, um ihre sexuelle Gesinnung nach außen zu tragen, alle davon wissen zu lassen und möglichst viel Lippenkontakt zu erhaschen - besonders gerne mit von zu Hause mitgebrachtem. Ein Picknick quasi. Ein Picknick in der Stadt.
Ja, es war mal wieder Elle-World. Eine Party, die eigentlich keine ist, viel mehr ein extra dafür bereitgestellter Raum, bis oben hin vollgefropft mit Menschen, die entweder ganz stilecht ihr Ticket aus dem Internet ausgedruckt haben oder sich eben doch leidvoll in die wirklich lange Schlange stellen, um sich ganz vorsichtig an die Safari zu gewöhnen.
Drinnen dann die nächste Ernüchterung: Es sind nicht nur wirklich alle (!) Lesben aus der Umgebung gekommen, sondern auch noch die aus halb Köln. Und zwar, um auf Brautschau zu gehen, ein weniger gutes DJ-Set zu erleben oder um einfach nur ungeniert und ohne Rücksicht auf Homophobie wild herum knutschen zu können.
Mush No.2: Und dann steht man da. Neben der Schlange von Menschen die kein Ticket haben, bemitleidet sie ein wenig, checkt sie schonmal ab und wartet auf Mush No.3, die zum Glück mithilfe von Stiefpapis Kreditkarte an die Tickets kam. Sekt für die Nutten, Champagner für uns. Alter, ich bin soo VIP! “Wir treffen uns um viertel nach am Eingang.” Ja, von wegen. Während die Zeit so dahinfließt und ich innerlich schon meinen Parkschein ablaufen sehe (8€ für 2 Stunden. ACHT!!!! Hallo?! Nochmal DANKE an Mush No.1, die mich zu diesem Parkplatz gelotst hat. Immerhin hat sie die ersten 2 Stunden bezahlt.).
Mush No.3 schafft es mit ihrer Gang endlich und pfeift sich noch schnell irgendeine explosive Mischung aus Kirschsaft und Schnaps rein. Mush No. 1, die noch ein Ticket vor Ort verhökert hatte, kommt an uns vorbei, begrüßt Mush No.3 nur kurz und verschwindet dann im lauten klammen Dunkel des Wartesaals. “Ey, das is ne Katastrophe!” Mush No.3 steigert sich leicht in die Tatsache rein, dass ihre Ex ihr zwar Hallo gesagt, sie aber nicht mit Küsschen, Umarmung und Small-Talk empfangen hat. Ich, meine Freundin, No.22 (alias “die B”) und Mush No.3’s Mitbringsel (No.7) runzeln die Stirn. “Ja, sei froh, dass die überhaupt noch mit dir spricht. Nach allem, was da zwischen euch abgegangen ist… Und jetzt komm runter, trink deinen Schnaps und schalt auf Party-Mode.”
Gesagt, getan. Mittlerweile stehen sogar schon die Grrrls mit Tickets an, aber binnen 5min sind wir drin. Ich blicke mich um und will gleich wieder gehen. Es ist die Elle-World. Die Party, auf die ich mich mal freuen konnte. Als noch nicht alle die G-Star-Uniform und den Bieber trugen und die Musik noch halbwegs erträglich war. Aber ich hab mal irgendwo gehört, dass negative Erinnerungen über die Jahre immer etwas nachlassen und positiver gesehen werden als sie waren…